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Unordnung und frühes Leid

D | 1976 | Farbe | 86 Min.

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Credits

Regie:
Franz Seitz
Drehbuch:
Franz Seitz
Kamera:
Wolfgang Treu
Schnitt:
Adolf Schlyßleder
Musik:
Friedrich Meyer, Rolf Wilhelm, Hans Pfitzner
Darsteller:
Martin Held, Ruth Leuwerik, Sabine von Maydell, Frédéric Meissner, Sophie Seitz, Markus Sieburg, Christian Kohlund, Eva Vaitl, Hansi Kraus
Produktion:
Franz Seitz Filmproduktion, GGB-Gesellschaft für Geschäftsführung und Beteiligung mbH&Co.
Produzent:
Franz Seitz
Auszeichn.:
Prädikat: Wertvoll, Goldene Nofretete für Martin Held als bestem Schauspieler (Int. Filmfest Kairo)
FSK:
ab 6 J.

Inhalt

Professor Cornelius hat während des Ersten Weltkrieges ein politisches Traktat verfasst und 1918 veröffentlicht. Fünf Jahre später zu anderen Einsichten gekommen, verdrängt er den Gedanken, ob Ausschließlichkeit und Härte der damaligen Thesen noch vertretbar seien. Ein Student seines Seminars, Max Hergesell, bringt den Professor gegen sich auf, als  er ihm dessen Selbstzweifel an seiner Arbeit ganz unverhohlen auf den Kopf zusagt und Cornelius damit zwingt, eine Position zu verteidigen, die er insgeheim längst aufgegeben hat. Durch solchen Vorfall bestärkt, findet der Professor die Gegenwart „unzusammenhängend und frech“. Ohne sich dessen ganz bewusst zu sein, charakterisiert er damit auch die Generation seiner halberwachsenen Kinder, deren Lebensgewohnheiten er verständnisvoll, aber mit irritiertem Staunen beobachtet. Lebensgewohnheiten wie etwa die, fremden Leuten abscheuliche Geschichten vorzuspielen, um deren schaurige Teilnahme herauszufordern. Die Zuflucht des Professors vor all diesen Verwirrungen ist hingegen seine übergroße Liebe zu dem Töchterchen Leonore, der fünfjährigen. Eine Hinneigung, die zu seinem Zeitverständnis in enger Beziehung steht, denn der erhaltende Instinkt des Historikers, der das Vergangene schätzt, weil es tot und damit „ewig“ sei, rettet sich in der Liebe zu diesem kleinen Wesen, das sehr wohl mit dem Vater, den es „Abel“ nennt, umzugehen weiß und ihn schlechthin um den Finger wickelt.

Die Verwunderung, ja Erregung, mit der Cornelius ein Tanzfest erwartet, das seine älteren Kinder ihren Freunden geben, ist Ausdruck seiner Unsicherheit gegenüber einer beinahe repräsentativ gemischten „neuen“ Gesellschaft, die aus diesem Anlass in seinem Bürgerhaus zu Gast sein soll: Protagonist Herzl zum Beispiel, der demnächst am Staatstheater den Carlos geben wird; Moll aus dem Bankfach mit seiner Vorliebe für folkloristische Gesänge, an denen es bei der Fete nicht fehlen darf und dieser Herr bemerkenswert vorzutragen weiß; das Mädchen Plaichinger, eine Germania, blond, üppig und locker gekleidet, Mitabiturientin seiner Tochter Ingrid…  und was da mehr sind. Zu seiner Überraschung findet der Professor auch den Seminaristen Max Hergesell unter den Geladenen. Der Gastgeber stellt seine Animosität zurück, nicht zuletzt deshalb, weil er sie selbst für ungerecht hält. Was Cornelius jedoch schmerzt, ist, dass ausgerechnet dieser Hergesell ihm bei seinem Lorchen den Rang abzulaufen droht. Das verhält sich so: Die Kleine verliebt sich in den Studenten, der zum Scherz mit ihr tanzt; zu Bett geschickt, verlangt sie schluchzend nach ihm. Und es ist nicht der tröstende Vater, dem es gelingt, sie zum Schlafen zu bewegen, sondern Hergesell. Mit zwiespältigen Gefühlen dankt der Professor dem Himmel, „dass Lethe mit jedem Atemzug dieses Schlummers in ihre kleine Seele strömt.“
UNORDNUNG UND FRÜHES LEID