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Die wunderbaren Jahre

D | 1979/80 | Farbe | 104 Min.

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Credits

Regie:
Reiner Kunze
Drehbuch:
Reiner Kunze
Kamera:
Wolfgang Treu
Schnitt:
Babara von Weitershausen
Musik:
Rolf A. Wilhelm
Darsteller:
Gabi Marr, Martin May, Dietrich Mattausch, Christine Wodetzky, Rolf Boysen, Bärbel Deutschmann, Thomar s Frontzek, Erich Schleyer,
Produktion:
Franz Seitz Filmproduktion, Caro Film GmbH & Co. Produktions-KG, Südwestrundfunk (SWF)
Produzent:
Franz Seitz
Auszeichn.:
Prädikat: Besonders wertvoll, Bayerischer Filmpreis für das Drehbuch
FSK:
ab 12 J.

Inhalt

Zu Beginn des Films rollen Panzer in die Tschechoslowakei. Sie rollen, weil die Schule versagt hat – die Schule im engeren und weiteren Sinn. Cornelia ist zu diesem Zeitpunkt neun Jahre alt. Als sie sechzehn wird, hat längst Schule gemacht, was aus der Situation von damals an Lehren gezogen worden ist. Die Lehrer sind gewarnt. Sorgsam sammeln sie alle Handhaben, die Cornelia gegen sich bietet. Sie ist die Tochter eines Übersetzers, der aus Protest gegen den Einmarsch in die Tschechoslowakei sein Parteibuch zurückgegeben hat.

Cornelia lernt den ein Jahr älteren und musikalisch hochbegabten Stephan kennen und unter seinem Einfluss beginnt sie, zu jener Identität zu finden, nach der sie impulsiv sucht. Stephan fragt sie nach dem Wert des Lebens in einer Welt, in der so viel verändert werden müsste und offenkundig so wenig verändert werden kann, doch ist diese Welt für ihn zugleich voll von Bewundernswertem. Sinnsuche und Suche mit den Sinnen durchdringen plötzlich einander. Ein Abend beim Pfarrer, um den sie und einige ihrer Freunde sich scharen, weil er sich ihren Fragen stellt, und ein gemeinsam vorbereitetes Orgelkonzert werden ihnen zu existentiellen Schlüsselerlebnissen.

Cornelias Gespräche im Pfarrhaus und ihr Engagement für das Orgelkonzert haben zur Folge, dass das Misstrauen ihr gegenüber wächst; denn ein gesellschaftliches System, zu dessen wesentlichsten Machtmitteln Indoktrination gehört, kann einem Menschen nichts weniger verzeihen als ein inneres Wertgefüge, auf das es keinen Einfluss hat.  Da nimmt die Schulbehörde eine kritische Äußerung Stephans zum Anlass, ein Exempel zu statuieren und Stephan sieht all seine Hoffnungen zunichtegemacht, sein Leben der Musik widmen zu können. Die große Zärtlichkeit, die zwischen ihm und Cornelia möglich geworden ist, vermag ihn von einem Verzweiflungsschritt nicht zurückhalten. Cornelia bricht zusammen.

Am Schluss des Films steht ein Auto mit eingeschalteter Warnblinkanlage: Cornelias Eltern konnten ihre Tochter davor bewahren, einen Schritt wie Stephan zu tun. Ein Ende, das ein Anfang ist? Für welche Zukunft wurde Cornelia gerettet? Ort des Geschehens ist die Deutsche Demokratische Republik der siebziger Jahre. Sie ist aber nicht der einzige Schauplatz, an dem dieser Film spielen könnte – heute, gestern und morgen.

Der Film „Die wunderbaren Jahre“ handelt von den Wundern, die zwischen jungen Menschen möglich sind, und von Jahren, die dieser Wunder bar sind, weil man Menschen – und zwar die aufrechtesten – um ihre Jugend bringt. Ort des Geschehens ist die Deutsche Demokratische Republik, die aber nicht der einzige Schauplatz ist, an dem der Film spielen könnte – heute, gestern und in Zukunft.

Rainer Kunze